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Schon so weit ich denken kann, sind in den Heimgärten am Bädle mehr oder wenig zahlreiche Streunerkatzen unterwegs. Ihre Zahl ist schwer zu schätzen, zumal doch alle vorwiegend eine schwarze oder schwarz-weiße Fellfarbe haben.

Den langen Winter über schien es so, als ob sich die Population reduziert hatte, doch als dann die ersten Sonnenstrahlen die Tage erwärmten, waren sie wieder da, die auf leisen Sohlen schleichenden, sich im Gebüsch versteckenden und vor allem auf Futter wartenden scheuen Samtpfoten.

Gegen Abend, wenn die Hobbygärtner ihr Kleinod verlassen haben, kommen die Katzen aus ihren Verstecken und übernehmen die Herrschaft über die heimeligen Gärten. Grenzenlose Freiheit bieten ihnen die Schrebergärten, die am westlichen Stadtrand liegen. Zwischen Gemüse- und Blumenbeeten, hohen Hecken, buschigen Sträuchern, Obstbäumen und nicht zu verachtenden Gartenhausdächern, die als Aussichtspunkt dienen, ist hier ein ungestörtes Katzenleben doch weitgehend möglich.

Wenn ich vor Einbruch der Dunkelheit komme, kann ich das Treiben der Wildkatzen in gewisser Distanz beobachten.
So auch an einem lauen Frühjahrstag, als die Gartensaison begonnen hatte.
Ich stand im Garten und freute mich über die frisch eingesetzten selbst gezogenen Tomatenpflanzen. Ein schwarzes Kätzchen gurrte unter den rot blühenden Pfingstrosen und machte auf sich aufmerksam. 'Aha, es wird Futter erwartet' dachte ich und ging ins Gartenhaus um eine Dose zu öffnen. Als ich mich vom gefüllten Napf entfernte, kam die halbwüchsige schwarze Katze humpelnd, die Vorderpfote hoch haltend auf drei Beinen zum fressen.

Ich beschloss, dies zu beobachten um gegebenenfalls Hilfe leisten zu können.

Am Folgetag war das verletzte Tier nicht in unserem Garten zu sehen, erst einen Tag später hockte sie wieder unter den roten Pfingstrosen und gurrte.

Der linke Vorderfuß war schlimmer geworden, er baumelte nur noch und ich machte mir sehr große Sorgen. Ich stellte das Futter ins Gartenhaus, in der Hoffnung mich dann vorsichtig an sie annähern zu können. Leider war dies nicht möglich. Durch meine Anwesenheit geriet sie in Panik, drückte sich in ein Wandregal, fauchte und spuckte wie eine Raubkatze und am Ende verkroch sie sich hinter einem Sessel. Aus Angst, gebissen zu werden, gab ich schließlich auf.
So verschloss ich entmutigt das Gartenhaus in dem die Katze saß und überlegte, was ich machen könnte, um sie für einen dringenden Tierarztbesuch einfangen zu können.
Eine Katzenfalle stand im angrenzenden Geräteschuppen bereit und ich dachte, das könnte eine Möglichkeit sein, das Tier einzufangen.

Zusammen mit einem in der Not gerufenen Vereinsmitglied stellten wir die Falle mit Futter bestückt im Gartenhäuschen. Wir hatten die Hoffnung, dass sie doch hineingehen würde.

Wildkatzen sind schlau, schlauer als verwöhnte Hauskatzen, sie ging nämlich nicht in die bereitgestellte Falle, in der doch sehr verlockendes Futter auf sie wartete.
Eine andere Idee musste schnell gefunden werden.
Martina meinte, ein Fangversuch mit einem Kescher wäre in diesem Fall eine gute Möglichkeit. Der Umgang mit diesem Fanggerät war uns aber nicht geläufig und wir kontaktierten eine nette Tierärztin, die Hausbesuchte macht. Gerne war sie bereit, uns behilflich zu sein, das Tier einzufangen und gleich an Ort und Stelle zu untersuchen.

Ein Stein fiel uns vom Herzen für die zugesagte Unterstützung und wir erwarteten gleich zwei Stunden später die rettende Helferin. Frau Doktor wurde nun zu der verletzten Katze ins Gartenhäuschen 'gesperrt' und schon nach wenigen Minuten hatte sie die sehr verstörte durch Angst und Schmerzen wild gewordene Katze mit dem Kescher eingefangen. Vorsichtig wurde sie ins Gras gelegt und mit einer Decke zugedeckt. Mit Hilfe einer Betäubungsspritze wurde das Tier ruhiggestellt und das Füßchen konnte untersucht werden. Es war leider gebrochen und es stand nun eine eilige Fahrt in die Tierklinik an, um eine weitere Versorgung zu gewährleisten.

Gleich ab Garten ging die Fahrt mit der zum Glück noch schlafenden Katze nach Augsburg in die Klinik los.

Wir wurden in der Tierklinik schon erwartet. Der diensthabende Tierarzt brachte die Katze nach einer kurzen Untersuchen sofort zum Röntgen und zeigte uns anschließend die Aufnahme, die über die Verletzung Aufschluss gab.

Das vordere linke Beinchen war tatsächlich an der Schulter gebrochen, vermutlich durch einen Unfall. Eine relativ gut befahrene Straße führt nahe an den Heimgärten vorbei und dies war durchaus möglich.

Der Arzt besprach mit uns die notwendige Behandlung. Mit einer Platte muss der Knochen fixiert werden, damit das Beinchen wieder zusammenhält und anschließend ist eine 4-wöchige Ruhigstellung durch Käfighaltung unumgänglich. Nur so ist eine gute Ausheilung gewährleistet.

Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass es sich um einen kleinen Kater handelt. Er sollte sofort bei der Operation kastriert werden. Wir überließen ihn erleichtert dem Klinikteam und fuhren zufrieden mit dem Auto wieder nach Hause.

Am nächsten Tag erfuhren wir zu unseren Schreck, dass der Bruch schon mindestens 14 Tage alt war und sich das Kniegelenk der Katze durch die Schonhaltung schon versteift hatte. Was musste der Kater für Schmerzen ausgehalten haben und das in freier Wildbahn, wo es doch Alltag ist, sich Rivalen gegenüber zu verteidigen und auf Futterfang zu gehen.

Nach drei Tagen holten wir den Patienten in der Klinik ab. Nun sitzt er in seiner vergitterten 'Krankenstation'. Er scheint wider Erwarten zufrieden mit der Situation, genießt es, mit gutem Futter versorgt zu werden und eine eigens für ihn angefertigte Schlafhöhle nimmt er außerdem sehr gerne an. So vermuten wir, dass er in Freiheit viel Stress durchlaufen musste, es sind doch ständig stärkere Artgenossen unterwegs, die dem Schwächeren die Rangordnung aufzeigen.

Menschen gegenüber ist er nach wie vor auf Distanz. Er möchte keinen Streichelkontakt und fürchtet sich, wenn ihm die Pflegemama zu Nahe kommt.

Inzwischen sind zwei Wochen vergangen. Es wird sich zeigen, wie die restlichen zwei Wochen verlaufen und ob er doch noch etwas zutraulicher wird. Falls der Kater so scheu bleiben sollte, darf er in den Heimgärten weiterhin sein freiheitliches, keinem menschlichen Willen untertanes Leben genießen und eigene Wege gehen.

Verfasserin: Inge Leberle

Katerchen